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Pflegepersonaluntergrenzen – die ersten Erfahrungen – Pressemitteilung 002/2019

Seit Jahresbeginn greifen die Pflegepersonaluntergrenzen (PUG) in den Klinikbereichen Kardiologie, Geriatrie, Unfallchirurgie und Intensivmedizin.

Der Gesetzgeber verfolgt damit das Ziel, die Patientensicherheit zu erhöhen und die Pflegekräfte vor Unterbesetzung und den damit verbundenen Folgen zu schützen.

Doch wie sind die ersten Erfahrungen nach wenigen Wochen, in denen diese Untergrenzen nun gelten?
Dazu hat die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) Mitglieder befragt.

Die Rückmeldung zu unseren Fragen fiel erwartungsgemäß sehr durchwachsen und überwiegend negativ aus.
Frust verursacht hierbei vor allem der überbordende administrative Aufwand, der für die zu erbringenden Nachweise erforderlich ist. Wegen fehlender IT-Lösungen wurden vom InEK umfangreiche Excel-Dateien zur Verfügung gestellt, die befüllt werden müssen.
Verwendete Dienstplanprogramme in den Kliniken können die Untergrenzen meist nicht abbilden, und so ist jede Menge zusätzliche Handarbeit gefragt.

In der Vorbereitung der Umsetzung fehlte es vor allem an den notwendigen Vorabinformationen. Diese wurden den Kliniken viel zu spät zur Verfügung gestellt. Außerdem kamen von verschiedenen Stellen unterschiedliche Aussagen, was zu weiterem Durcheinander bei den erforderlichen Planungen führte.

Noch immer fehlt die Sanktionsvereinbarung, also die Vereinbarung, welche die Vergütungsabschläge für die Kliniken regelt, wenn sie die vorgegebenen Untergrenzen nicht einhalten kann.

In der konkreten Umsetzung zeichnet sich nach den ersten Wochen lediglich eine Verbesserung für die Situation im Nachtdienst ab. Durch die Vorgaben werden hier künftig mehr Pflegekräfte eingesetzt. Die Besetzung im Tagdienst hingegen war, bereits vor Einführung der PUG, meist im Rahmen der geforderten Zahlen.

Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern weist an dieser Stelle aber darauf hin, dass die nun vorgegebenen Untergrenzen als nicht ausreichend angesehen werden dürfen. Vielmehr braucht es ein aussagekräftiges Pflegepersonalbemessungsinstrument, das den tatsächlichen Pflegebedarf der Patientinnen und Patienten abbildet!

Als erstes Fazit wird ein zusätzlicher Personalbedarf zurückgemeldet. Pflegepersonal, das aber auf dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht.

In der Folge entsteht ein Kampf um diese wertvolle Ressource, die schon jetzt bizarre Züge annimmt. Werden doch bereits jetzt Abwerbeprämien im fünfstelligen Bereich für Intensivfachpflegekräfte geboten. Zusätzlich kommen noch Prämien für die werbende Person dazu. Auch von Bleibeprämien in fünfstelliger Höhe wird berichtet.

Die Pflegepersonaluntergrenzen sind aus Sicht der Vereinigung der Pflegenden in Bayern ein gutgemeinter Ansatz, um die Arbeitssituation von Pflegekräften in den Kliniken zu verbessern. Zumindest in einzelnen Bereichen.

Leider ist der damit verbundene bürokratische Aufwand nicht zu akzeptieren, zumal er auch von den Kliniken ohne Refinanzierung zu erbringen ist.

Hier sind der Gesetzgeber und die Selbstverwaltung im G-BA dringend gefordert, rasch für Klarheit und Verbesserung zu sorgen.

Und bei allem politischen Engagement bringt es weder kranke Menschen noch Kliniken weiter, wenn es die so dringend gebrauchten Pflegekräfte zur Einhaltung der Pflegepersonaluntergrenzen nicht gibt!

Gesperrte Betten in der Folge verschlechtern die Versorgungssicherheit für Menschen, die auf pflegerische und medizinische Hilfe angewiesen sind.

Auch das Abwerben von Pflegekräften aus der Langzeitpflege oder den ambulanten Diensten kann nach Ansicht der VdPB keine Lösung sein. Denn auch hier besteht bereits heute ein dramatischer Mangel an Pflegekräften.

Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern fordert deshalb weiterhin rasche und nachhaltige Verbesserungen für alle beruflich Pflegenden, damit sich wieder mehr Menschen für die Berufe in diesem Bereich entscheiden. Neben besserer Bezahlung sind dies vor allem Verbesserungen in der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie Aufstiegsmöglichkeiten und erweiterte Kompetenzregelungen.

002-2019 Pflegepersonaluntergrenzen – erste Erfahrungen (PDF)